Letzte Woche durfte ich erneut die Schulbank drücken und saß in einem weiteren Kurs für Viszerale Therapie, um mein Wissen über die Zusammenhänge zwischen Organen (Viszera) und Bewegungsapparat noch ein bisschen mehr zu vertiefen. Diesmal zum Thema: Thorax, Lunge, Herz, Schulter und Halswirbelsäule
Wusstest du, dass unsere Lunge ligamentäre (bandartige) Verbindungen zur Halswirbelsäule hat? So könnte sich beispielsweise eine eingeschränkte Lungenfunktion – z.B. ein durch Lungenentzündung verklebtes Lungenfell oder nach eine Rippenfraktur – auf unseren Nacken auswirken und ev. sogar Kopfschmerzen verursachen.
Oder vielleicht hast du schon mal von Schulterschmerzen links bei Herzbeschwerden gehört?! Auch hier gibt es plausible Zusammenhänge.
Wenn man genauer hinsieht, können die Läsionsketten im Körper aber auch noch viel länger sein 🙂 – so kann sich neben dem Herz zum Beispiel auch der Magen auf die Funktion der linken Schulter auswirken.
Hochspannende Themen und eine Materie, die mich sehr gefangen hat. Wenn du also vielleicht die Vermutung hast, dass hinter deinen Beschwerden etwas Anders steckt, oder sämtliche Untersuchungen ohne Diagnose enden, dann könnte man vielleicht auf solche Läsionsketten schauen. Ich freue mich drauf, auf detektivische Weise den Läsionsketten meiner Patienten auf die Schliche zu kommen.
Unter Viszeraler Therapie versteht man ein Behandlungskonzept, welches das Organsystem des Körpers mit dem Bewegungsapparat zusammenführt. Aus dem Lateinischen übersetzt bedeutet das Wort „Viscerum“ soviel wie „Eingeweide, Weichteile“. Wenn es als um Viszerale Therapie geht, dann handelt es sich um eine Behandlung der Weichteile. Unsere Organe wie .B. das Verdauungssystem, Leber, Milz, Lungen, Herz etc liegen nicht einfach wie Tetrisbausteine in unserem Bauch- bzw. Brustraum. Sie sind in enger Verbindung mit dem umgebenden System – also dem Bewegungsapparat. Sie sind nicht nur über Bänder festgemacht, sondern es gibt diverse andere enge Verbindungen. Durch diese engen Verbindungen können sich sämtliche Strukturen beeinflussen. Ein Teil vom Dickdarm beispielsweise befindet sich in unseren Beckenschaufeln. Dort ist er ganz eng an Hüftbeugern (M. Iliacus und M. psoas) und Becken befestigt. Gibt es Stress im Darm z.B. durch Verstopfung, so überträgt sich dieser Stress/Spannung auf das Becken. Dieses kann dadurch sogar in seiner Ausrichtung verändert werden, was wiederum zu einer Innendrehung der Hüfte führen kann. Durch die Innenrotation dreht ev. das Knie mit und auch der Fuss muss ausweichen – Knieschmerzen können die Folge sein. So könnte man z.B. therapieresistente Schmerzen erklären, die trotz intensiver Behandlungen an den schmerzenden Strukturen rezidivierend auftreten. In der Viszeralen Therapie will man solchen „Läsionsketten“ auf die Schliche kommen.
So kann es durchaus auch einmal vorkommen, dass eine Behandlung von Schwindel oder Kopfschmerzen bei der Behandlung vom Zwerchfell startet. Es gibt so viele Verbindungen in unserem Inneren, die nach oben oder unten verlaufen. …und es ist so spannend, diese Verbindungen zu entdecken und zu verstehen – auch für dich als „Patient“ könnte ein anderes Verständnis für die Zusammenhänge von Problemen / Symptomen entstehen.